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Als Mora zum ersten Mal die schmale Treppe hinabgeht, weiß sie nicht, ob sie einen realen Ort betritt oder bereits Teil einer Lektüre geworden ist. Die Buchbar heißt ›Taubenschlag‹. Sie öffnet nur nachts, verborgen im Inneren der Stadt, für Menschen, die lesen, als hinge ihr Leben davon ab. Tagsüber arbeitet Mora in einem Kaufhaus. Nachts sucht sie die Gespräche mit dem Lesekreis, der sich hier versammelt, um überkommene Vorstellungen von Literatur aufzubrechen und anders zu leben und zu lieben. Bücher ohne Titel stehen im Mittelpunkt ihrer Treffen. Aus Sätzen werden Erinnerungen, aus Gesprächen Nähe. Lesen verändert Wahrnehmung, verschiebt Beziehungen, öffnet Begehren. Mora hat das langsame, widerständige Lesen von ihrem Mentor, dem Literaturkritiker Yishu, gelernt. Im Taubenschlag begegnet sie Heishi, einem Freund, Vertrauten, möglichen Liebhaber, und Hanma, einer jungen und ebenso talentierten wie mutigen Schriftstellerin. Zwischen ihnen erfährt Mora, dass Liebe unsicher ist – Literatur jedoch verbindend wirkt, auch dort, wo Beziehungen scheitern. Als sich ihr Leben neu ordnet, findet Mora Rückhalt im Taubenschlag. Nicht aus Hoffnung auf Erfüllung, sondern aus Gewissheit: Lesen ist Handeln. Risiko. Und eine Kraft, die weiterträgt, wenn anderes vergeht.
Welt aus Leidenschaft, Can Xues bisher zugänglichstes Werk, ist eine utopische Komödie und ein Werk von aufrichtiger Freude, ein Liebeslied an die literarische Inspiration und die bemerkenswerte Schönheit des Alltäglichen – vor allem aber eine Hymne an die transformative Kraft des Lesens.