Open-Access-Transformationspaket 2026
Wie lassen sich Konzepte des 'Helden' in narrativen Texten identifizieren? Anders als bisherige Forschungen geht der vorliegende Band dieser Frage nicht mit Blick auf Figurentypen oder auf das 'Heroische' nach, sondern mit der Differenzierung basaler Unterscheidungslogiken: Welche Unterscheidung zwischen dem Helden und 'den Anderen' macht ein Text?
Auf der abstraktesten Ebene ist die Unterscheidung zwischen Inkommensurabilität und Vergleichbarkeit anzusiedeln. Deren spezifisch vormoderne Ausprägung ist die Unterscheidung zwischen 'radikalem Anderssein' und Exemplarizität, verstanden als verstanden als Supererogation (Übererfüllung einer Norm). Erzählende Texte können gerade auch von der spannungsvollen Gleichzeitigkeit beider Logiken geprägt sein. Diese Spannung entfaltet sich insbesondere an Figuren 'schwieriger Heilbringer' - und zwar sowohl in weltlichen als auch in religiösen Texten.
Die Beiträge untersuchen derartige Widerspruchsstrukturen sowie die Möglichkeiten, die das Erzählen von schwierigen Heilbringern eröffnet, vornehmlich an vormodernen weltlichen (Schwanenrittertexte, Johan ûz dem virgiere, Rennewart, Frauendienst) und legendarischen Texten (Gregorius, Pelagius- und Franziskuslegende). Die abschließenden Beiträge führen sowohl über den literarischen Diskurs als auch über vormoderne Literatur hinaus (Verbrechensberichte der frühen Neuzeit; Konstruktionen Jesu als Held; Lutz Seiler, Kruso).
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