Literarische Gruppen sind ein wichtiger Bestandteil der literarischen Öffentlichkeit. Sie sind in ihrer je eigenen Zusammensetzung, Organisation und Hierarchiestruktur eine relevante Größe der Gegenwartskulturen und ihrer öffentlichen Institutionen (Literaturkritik, Buchmarkt, Wissenschaft). Zugleich entfalten sich politische Dimensionen, insofern Anliegen und Gegenstände literarischer Gruppen nicht selten die Einnahme (oppositioneller) Positionen auf dem politischen Feld bedeuten. Obwohl Gruppenformationen den literarischen Betrieb und die Öffentlichkeit seit 1945 geprägt haben, liegt bisher noch keine systematische Erforschung dieser vor. Der Band schließt an diese Beobachtung an und rückt literarische Gruppen aus literatur- und kulturwissenschaftlicher wie auch soziologischer Perspektive in den Fokus.
Die Beiträge bleiben nicht bei dem Einzelfall stehen, sondern nehmen exemplarische Studien zum Anlass, das Phänomen 'Gruppe' als literatursoziologischen Gegenstand methodisch und theoretisch zu reflektieren. Fragen zu Gruppeninszenierungen, Autoritätsansprüchen und politischen Positionierungen werden am Beispiel der Gruppe 47, der Wiener Gruppe, der Neuen Frankfurter Schule und dem Orphischen Kreis herausgearbeitet. An unterschiedlichen Gruppenformationen wie etwa dem TURM, der Wiener Schule für Dichtung oder der "Harry Potter" Fanfiction-Community werden zudem begriffliche Unterscheidungen zwischen Gruppe, Gruppierung, Kollektiv, Bewegung, Kreis, Netzwerk oder Bündnis diskutiert. Da Gruppen oft mit Institutionen verbunden sind, rücken auch räumlich gebundene Schreibpraktiken und Veranstaltungen in den Blick wie im Literarischen Colloquium Berlin. Der Bandliefert somit einen Beitrag zur systematischen Erschließung von literarischen Gruppenformationen, deren Praktiken, Inszenierungformen sowie Publikationsstrategien von 1945 bis zur Gegenwart.
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