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Das kulturelle Wissen, das zur Traumdeutung gehört, scheint verlo ren in einer Zeit, in der unsere Vorstellungen vom Traumerleben überwiegend durch die Schlaf- und Hirnforschung bestimmt werden.Patrick Roth knüpft in seinem Essay an die antik-religiöse Tra-dition und das christliche Abendmahl an. Er versteht den Traum nicht als ein »vom Ich Gemachtes«, sondern als göttliche Gabe, die - gleich der Hostie in der Messe - nachtnächtlich auf die Zunge der Träumenden und damit an die Bewusstseinsschwelle gelegt wird.Dieses Novum einer neuen Sicht - der Parallele von Traum und Abendmahl - verpflichtet den Einzelnen zu einer religiösen, d.h. der Traum-Erfahrung treu bleibenden Einstellung. Der Traum soll nicht mehr verdrängt, sondern in einer bewussten Auseinandersetzung mit seinen Bildern durch den Menschen anverwandelt werden. So beantworten wir den Traum in der Realität des Alltags. So inkarnieren wir ihn.Der Traum als inneres Abendmahl führt zur Wandlung beider: der Bilder aus dem Dunkel des Unbewussten und des Einzelnen, der sie ans Licht bringt. So weit die Theorie. Wie dieser Vorgang in der Praxis aussehen könnte, demonstriert Patrick Roth, indem er Geschichten erzählt: Eigene Träume werden ebenso lebendig-farbig geschildert und erzählend ausgelegt wie die Traumbilder einer Freundin in Hollywood. Was dem ungeübten Auge zunächst trivial und unspektakulär erscheinen mag, erweist sich in Roths an C. G. Jung geschulter Traumdeutungskunst als von lebensrettender, weisheitlicher Qualität.