Nach dem Krieg zunächst verfemt, gewann Ernst Jünger erneut an Popularität, die Lübke, Heuss und Kohl vielleicht sinnfälliger einte als Heiner Müller und Joschka Fischer, die sich ebenfalls emphatisch auf ihn bezogen und seinen intellektuellen Einfluss betonten. Bis in die Gegenwart ist das Spektrum dieser affirmativen Einschätzungen und Haltungen Jünger gegenüber vor allem in konservativen Kreisen und der Neuen Rechten zu beobachten. Gegenläufig lässt sich eine Kritik nachzeichnen, die in Jünger ein Musterbeispiel deutscher Aggression, faschistischer Männlichkeit und symptomatischer Exkulpationsstrategien nach 1945 erkannt hat. Walter Benjamin, Kurt Tucholsky, Klaus Theweleit oder Maxim Biller sind nur einige unter vielen Kritikern, auf die Jünger bei aller Ablehnung dennoch gewirkt hat. Auch die popkulturellen Bezüge auf Jünger folgen keinem einheitlichen Schema: Max Goldt, Christian Kracht, Wolfgang Herrndorf oder Susanne Blech beziehen sich auf Jünger als Ästheten und provozierendes Stilvorbild, oft jedoch im Modus der Ironie, die interpretationsbedürftig ist. Seit Erscheinen der ersten Auflage im Februar 2018 ist vieles geschehen: Tendenzen der politischen Bezugnahme und Aneignung haben sich verstärkt, aber auch die pop- und subkulturellen Bezüge, nicht zuletzt im Social-Media-Kontext, haben zugenommen. Diesen trägt die neue Auflage ebenso Rechnung wie den innovativen literarischen Auseinandersetzungen (u.a. durch Eckhart Nickel oder Bachmann-Preisträgerin Natascha Gangl).
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