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London, 2014: Nach Jahren der Funkstille müssen sich die irakisch-britischen Schwestern Mediha, Zainab und Ishtar einem zwiespältigen Erbe stellen. Verschollen geglaubte Gemälde ihres verstorbenen Vaters tauchen wieder auf - Relikte einer Herkunft, zu der die Frauen ebenso den Bezug verloren haben wie zueinander. Entsprechend unvereinbar sind ihre Pläne für die Verwendung der Bilder. Als Vermittler zwischen den verhärteten Fronten wird Zainabs Sohn Nizar auserkoren. Gegen dessen Willen. Denn eigentlich ist er damit beschäftigt, seine traumatischen Erfahrungen als Kriegsreporter und die gescheiterte Beziehung zu seiner großen Liebe Alfie zu verarbeiten. Doch der Sog der Vergangenheit ist unerbittlich. Die Kunst von damals bringt ein Netz aus Verrat, Verletzungen und politischen Intrigen ans Licht, das die ohnehin entfremdete Familie endgültig zu entzweien droht. Der Ausweg ist eine Flussreise den Tigris hinunter. In einer mesopotamischen Arche, die die Gegenwart mit der Tradition vereint. Das Ziel: die "Rückkehr" nach Bagdad. In "Flutlinien" verdichtet Saleem Haddad die politischen Stürme des 20. Jahrhunderts im Nahen Osten zu einer fesselnden Familiensaga. Inspiriert vom künstlerischen Erbe seines Großonkels, des modernistischen irakischen Malers Jewad Selim, beschwört der Autor die Schatten der irakischen Geschichte herauf. Der Roman ist zugleich ein scharfsinniger Kommentar auf unsere Zeit und eine Beschwörung archaischer Mythen wie des Gilgamesch-Epos. Haddads mal zärtliche, mal brutale Prosa reißt Gräben auf und baut gleichzeitig Brücken - zwischen Generationen, Kontinenten, Kulturen. Ein explosiver Roman über Familie, (Neo-) Kolonialismus, Queerness und die alles verändernde Kraft der Vergebung.