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Wie ist das moderne Raum- und Zeitverständnis entstanden? Wie kam es dazu, dass wir eine offene, durch gegenwärtiges Handeln gestaltbare Zukunft haben? Warum glauben wir an wissenschaftliche Prognosen - etwa zum Klimawandel? Wie entstand die messbare RaumZeit? Und: Wie kann es sein, dass gleichzeitig zum Beispiel evangelikale Christen glauben, dass das Ende der Zeiten naht und sie sich auf einen letzten Entscheidungskampf vorbereiten müssen? Zur Beantwortung dieser Fragen entwickelt Gesa Lindemann eine neuartige Forschungsperspektive, die unterschiedliche und bislang beziehungslos nebeneinander bestehende Forschungsansätze ausgehend von der Theorie der Verfahrensordnungen der Gewalt integriert.Dazu gehören erstens die Einsichten der historischen Soziologie zur Bedeutung von Krieg und Gewalt für die Bildung moderner Staaten und ihrer imperialen Ansprüche, zweitens die Analyseperspektive der Wissenssoziologie zur historischen Konstruiertheit der Wirklichkeit und drittens die differenzierungstheoretischen Traditionen der Soziologie. Die Integration der heterogenen und oft als unvereinbar geltenden Forschungsperspektiven gelingt, indem Lindemann die Kontingenzannahmen der Moderne selbst kontingent setzt. Damit verliert die moderne Reflexivität ihren sicheren Ort, was es erlaubt, spielerisch einen nichtwestlichen Beobachtungsstandpunkt anzunehmen. Es geht um das Staunen über die seltsamen Veränderungen, die mit der gewaltsamen Christianisierung Westeuropas einhergingen, um die intensive Gewaltkonkurrenz der christlichen Herrscher bis zur Nationalisierung eines ehemals universalen Christentums. Diese Gewaltkonkurrenz führte, getrieben von den Zwängen der Kriegsführung, zur Bildung demokratischer Nationalstaaten, die die horizontal differenzierte Weltgesellschaft tragen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie sich passend zu den Gewaltordnungen die Ordnungen von Raum und Zeit verändern.Im Resultat zeigt sich: Wir müssen die Heterogenität der gegenwärtigen RaumZeitOrdnungen anerkennen, denn die alten Ordnungen vergehen nicht einfach. Sie bleiben vielmehr in teils modifizierter Form erhalten, weshalb sie immer wieder aktualisiert werden können.