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"Kriegstüchtigkeit" fordern Politiker und Militärs unseres Landes nicht zum ersten Mal. Schon vor 1914 erzeugten weltpolitisches Geltungsbedürfnis und das Schüren von Bedrohungsängsten eine Stimmung, die auf wehrhafte Kampfbereitschaft und Krieg setzte. Klaus Wernecke, angeregt von Fritz Fischer, beschreibt, in welchem Maße das Auswärtige Amt im Zusammenspiel mit der Presse und den Militärs die öffentliche Meinung im Vorfeld des Ersten Weltkrieges beeinflusst hat.Wie mit der großen Wehrvorlage von 1913 soll Deutschland auch in unserer Gegenwart die "stärkste Armee Europas" erhalten. Die Medien bieten dafür wiederum den Resonanzraum und täuschen der Öffentlichkeit eine Vorkriegszeit vor. Es gebe, so Kaiser Wilhelm II. im März 1914, "nicht den allergeringsten Zweifel, dass Russland den Krieg systematisch gegen uns vorbereitet." Die Parallele zu Aussagen von heute über die neue "Gefahr aus dem Osten" ist frappierend. Nahezu jeden Tag gaukeln Politiker, Militärs und Massenmedien dem Volk den Willen von Putins Russland zu einem Angriff vor.Wer gegen die gefährliche Militarisierung der Gehirne Einspruch erhebt, gilt als weltfremd und verdächtig. Dabei verfügen die warnenden Stimmen über ein realitätsnäheres Bild als jene Politiker, Diplomaten und Experten, die für sich die Kompetenz beanspruchen.Werneckes Buch verdeutlicht, wie die Öffentlichkeit durch die Steuerung der Presse in die Irre geführt und ins Schlepptau einer Politik gezogen worden ist, die den Krieg zur ultima ratio und für unvermeidbar erklärt hat. Umso mehr ist an die Warnung des Sozialdemokraten Eduard Bernstein aus dem Jahre 1912 zu erinnern: "Was aber gestern möglich war, ist auch morgen wieder möglich!"