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Die neuen Medien und das kindliche Gehirn: eine unheimliche Verwandtschaft
Für den Common Sense ist klar: Kindheit und digitale Medien vertragen sich nicht gar nicht. Während wir selbst dem Sog unserer Lieblingsapps kaum widerstehen, debattieren wir über ein Handyverbot an Schulen. Die Dominanz von Smartphones und Social Media im Alltag von Kindern ist erschreckend aber dabei übersehen wir, warum sie sich überhaupt in einem solchen Ausmaß durchsetzen konnten: Erstmals steht uns ein Bündel mächtiger Kommunikationstechnologien zur Verfügung, das nicht primär auf Sprache setzt, sondern auf frühkindliche neurologische Dispositionen. Die Wisch-, Zeige- und Touch- Welt ist auf diese Hirnfunktionen beinahe magisch abgestimmt als hätte das Kind in uns hier eine neue Heimat gefunden.
Der Kinder- und Entwicklungsneurologe Florian Heinen erkundet gemeinsam mit dem Digitalphilosophen Jörg Noller dieses Betriebsgeheimnis der digitalen Revolution. Jenseits von Alarmismus und Verharmlosung suchen sie nach neuen Ideen für einen gelingenden Mediengebrauch und nach einem präziseren Verständnis der Risiken, die digitale Technologien für die Kindheit bergen für die unserer Kinder ebenso wie für jene, die in uns Erwachsenen fortlebt. Mit neugierigem Blick verfolgen sie zudem, wie stark die Revolution unsere körperliche Wirklichkeit umformt: Das Mobiltelefon berühren wir täglich tausendfach, unser Gesicht nur einige hundert Mal. Selbst die innigen Berührungen zwischen Müttern und Neugeborenen bewegen sich pro Tag im Bereich von hunderten Kontakten, nicht von tausenden.