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Er trägt einen Spitznamen wie aus einer anderen Welt: Prinz Scott. Dabei ist Tristan Scott alles andere als ein Märchenprinz. Er ist ein Pianist von überwältigender Begabung, ein junger Mann, der zwischen zwei Welten lebt, der rauen, widersprüchlichen Berliner Wirklichkeit der Weimarer Republik und dem Reich der Musik, das allein ihm wahre Heimat zu sein scheint. Sein Vater ist Arzt, seine Mutter früh gestorben und in dieser Abwesenheit, in dieser unheilbaren Lücke, wurzelt alles: seine Sehnsucht, seine Kunst, sein Schmerz.
Kurt Münzers Roman ist ein Buch über die Liebe in all ihren Gestalten: die Liebe eines Sohnes zur toten Mutter, die Liebe zwischen Mann und Frau, die unerfüllte Liebe des Außenseiters, die Liebe zur Kunst als einzigem Trost in einer Welt voller Verrat und Gewalt. Um Tristan herum bewegt sich ein ganzer Kosmos von Figuren — Ärzte und Bohemiens, Frauen, die schweigen, und Männer, die reden und lügen —, die alle auf ihre Weise nach Halt suchen in einer Gesellschaft, die keinen mehr bietet.
Münzer schreibt mit seltener Innigkeit: sein Stil trägt den Rhythmus der Musik in sich, sein Blick auf Berlin ist scharf und zärtlich zugleich. Und am Ende, wenn Tristan Scott nach allem Erlittenen wieder am Flügel sitzt und spielt — Chopin, Schumann, Brahms, und schließlich seine eigene, lang gesuchte Sinfonie —, ist das nicht Eskapismus. Es ist Antwort. Auf Verlust, auf Schuld, auf die Frage, ob das Leben, trotz allem, einen Dreiklang findet.
Ein vergessenes Meisterwerk aus dem Jahr 1929 — wiederentdeckt zur rechten Zeit.